Kunst - am - Bau – Wettbewerb für das Archäologisches Fenster am Münster in Herford
1989 haben in Herford um das Rathaus, der Wolderuskapelle und der Münsterkirche Grabungen stattgefunden und dabei sind umfangreiche Baustrukturen des ehemaligen Frauenklosters freigelegt worden.
Die vorhandenen Zeugnisse sollen nun in einem archäologischen Fenster sichtbar und erfahrbar gemacht werden.
Das Objekt erhält Zuwendungen von der Bundesregierung aus dem Bereich Kultur und Medien, Denkmalschutz und Weltkulturerbe. Aufgrund der finanziellen Beteiligung des Bundes wurde der Kunst – am – Bau – Wettbewerb durchgeführt.
Der Wettbewerb wurde als nicht offener Wettbewerb mit insgesamt 3 eingeladenen Künstlerinnen und Künstler ausgelobt.
Folgende Künstlerinnen und Künstler wurden zur Teilnahme an den Wettbewerb eingeladen:
Stefka Ammon, Bastian Muhr, Ulrich Vogl
Erstplatziert: »Äbtissinnen von Herford« von Stefka Ammon
Hier werden die verstorbenen Äbtissinnen durch eine Leuchtschrift gewürdigt.
Der Entwurf mit dem Lichtband entwickelt dabei eine große Fernwirkung, die dem archäologischen Fenster zugutekommt.
Es überzeugt, dass die auf den Punkt gebrachte Arbeit mit einer einfachen Idee Außen benennt, was im Inneren des Archäologischen Fensters weiter ausgeführt wird.
Der Entwurf setzt auf Sichtbarkeit starker Frauen, die bisher im Herforder Stadtraum nicht gegeben ist. Die lyrische Verbindung der Namen der Äbtissinnen mit der Typografie aus unterschiedlichen Zeiten ist stimmig. Auch die Nachtwirkung wird hervorgerufen.
- Äbtissinnen von Herford (PDF, 6.9 MB)

Zweitplatziert »Herforder Kapsel« von Ulrich Vogl
Das Kunstwerk besteht aus drei Teilen: einer Kugel, ihrem Inhalt und einer Bodenplatte. Die vergoldete Kugel ruht auf den Kolonnaden.
Nicht weit von ihr entfernt, gleichsam als Schatten der Kugel ist eine kreisrunde Platte aus grünem Anröchter Stein in die Bodenplatte der Kolonnaden eingelassen.
In die Bodenplatte wird ein Text eingemeißelt. In knappen Worten wird darauf hingewiesen, dass die Kugel Objekte und Dokumente zum Herforder Frauenstift und zum Archäologischen Fenster enthält.
Die Arbeit ist sehr wertig. Der Entwurf setzt klassische Materialien zeitgenössisch um. Das Balance-Spiel der Kugel auf den Kolonaden ist spannungsreich. Die partizipatorische Phase wird als wichtiger Bestandteil des Entwurfs von den Jurorinnen und Juroren hervorgehoben. Menschen können sich betätigen und Teil einer Botschaft sein.
- Herforder Kapsel (PDF, 7.8 MB)

Drittplatziert »Waltger's Handlauf« von Bastian Muhr
Die künstlerische Gestaltung eines ca. 27 Meter langen Geländers erstreckt sich vom Refektorium bis zum Eingang der Woderuskapelle. Die Form der Geländerstreben folgt einer abstrakten Zeichnung. Die Zeichnung ergibt sich aus der Kombination und Aneinanderreihung von mehreren Einzelelementen, die sich motivisch auf die Ikonengraphie des Ortes beziehen.
Die Einzelelemente des Geländers stellen drei Motive dar: „Ähre“, „Traube“ und „Vogel mit Fisch“. Es handelt sich dabei um Attribute des heiligen Waltger, dessen Gebeine in der Woderuskapelle liegen.
Die Ikonographie überzeugt. Lebendig wird die Arbeit besonders durch die Ausarbeitung einer Freihandzeichnung in einem handwerklichen Prozess zu einem schmiedeeisernen Elemente. Die Versetzung der Einzelelemente in der Anordnung führt formal zu einem spannungsreichen Bild.
- Waltger's Handlauf (PDF, 3.3 MB)

Da für die Realisierung der künstlerische Ausgestaltung nur eine geringe Summe zur Verfügung steht, wurde auf die Auszahlung von Preisgeldern verzichtet. Den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler wurde eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 1.000 € gezahlt.
Wir danken allen beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowie wie den Jurorinnen und Juroren ausdrücklich für die Teilnahme und ihr Engagement.