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2. Platz: Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten

Neuer Markt Herford: Platz der Neustadt

Thematischer Überbau
Die Stadtteile Neustadt, Altstadt und Radewig bilden als historische Kernstadt das Zentrum der Hansestadt Herford. Mittelpunkt eines jeden Stadtteils waren seit jeher die Plätze: Der Neue Markt in der Neustadt, der Alte Markt in der Altstadt und der Gänsemarkt in der Radewig. Diese Plätze mit ihren Verbindungen untereinander bilden heute den zentralen innerstädtischen Geschäftsbereich. Übergeordnetes Ziel ist es, diese historische Kernstadt, zu dem auch noch der Münsterkirchplatz und der Rathausplatz gehören, über ein Gesamtkonzept wieder in Gänze als städtebaulichen Nukleus erfahrbar zu machen.

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Der vorliegende Entwurf fügt die einzelnen Straßen und Plätze über eine einheitliche Gestaltung zusammen. Gleich dem „Blut in den Adern“ durchfließt der schon in der Bäckerstraße wie auch der Lübberstraße eingesetzte helle Pflasterbelag die zentralen Straßen und „umspült“ die Plätze. Eine auf diesen Flächen einheitliche Möblierung, Beleuchtung und Bepflanzung verstärkt den gestalterischen Zusammenhang. Zur Herausstellung der unterschiedlichen Stadtteile sollen jedoch die Platzflächen in ihrer Gestaltung, Materialität und Atmosphäre, also in ihrem Charakter durchaus variieren.
Als Gegenpol zum Alten Markt soll der Neue Markt daher als ruhiger, eher kontemplativer Stadtplatz in historischer Kulisse gestaltet werden. Folgende 4 Planungsprämissen werden verfolgt:
1. Wahrnehmbarkeit stärken
Generell gilt es, die Wahrnehmbarkeit des Neuen Marktes als wichtiger, innerstädtischer Platz zu stärken.
Dies erfolgt zum einen durch die deutliche Trennung von Fußgängerzone und Platz. Das Profil der Fußgängerzone wird im Norden bereits an der Neustädter Apotheke aufgelöst. Die Fläche vor dem Wulferthaus, die historisch immer Teil des Neuen Marktes war, wird als untergeordneter Platzraum gestaltet, auch wenn die eigentliche zentrale Platzfläche erst südlich des Neustädter Rathauses beginnt. Im Süden endet die Fußgängerzone in Höhe der Bäckerei Hensel. Zwischen den beiden Enden der Fußgängerzone schiebt sich der Platz deutlich in die Hauptwegeverbindung Lübberstraße – Höckerstraße hinein.
Die Wahrnehmbarkeit des Platzes wird zum anderen durch die Freistellung der Raumkanten verbessert. Die Randbebauung des Neuen Marktes verfügt über eine Vielzahl an historischen Gebäuden mit markanten Fassaden. Eine der bedeutendsten Fassaden, die des Wulferthauses an der nordöstlichen Platzkante, wird jedoch derzeit von wenig qualitätsvollen Gehölzen, die zudem erst im Laufe der letzten Jahrzehnte dort gepflanzt wurden, und nicht Teil des historischen Platzraumes waren, verdeckt. Weder aus Blickrichtung Hämelinger Straße, noch aus Blickrichtung Höckerstraße lässt sich diese beeindruckende, stadtbild-prägende Fassade wahrnehmen. Da gerade die historische Randbebauung einen wesentlichen Teil des Charakters des Neuen Marktes ausmacht, werden diese Gehölze entfernt.
2. Wegebeziehungen ordnen
In die Mitte des Raumes wird eine ca. 23 x 34 m große, mit Großformatplatten aus Wesersandstein befestigte, Platzfläche flächenbündig als Intarsie in den umgebenden, sich aus der Fußgängerzone auch in die Nebenstraßen ziehenden, Pflasterbelag gelegt. Dieser Pflasterrahmen, das Passepartout, ist min. vier Meter breit, wird nicht mit Sitzmöbeln möbliert und dient vorwiegend den Fußgängern und Radfahrern für schnelle Querungen entlang der Platzkanten; hauptsächlich zwischen Petersilienstraße und Credenstraße, aber auch zwischen Hämelinger Straße und Komturstraße. Der Pflasterrahmen hat zudem sowohl eine trennende als auch eine verbindende Funktion. Zum einen trennt er das Kirchengrundstück subtil von der eigentlichen Platzfläche; dies jedoch ohne den räumlichen und gestalterischen Zusammenhang mit dieser aufzugeben. Zum anderen bindet es Kirchengrundstück und Platz in das übergeordnete innerstädtische Raumkontinuum ein. Durch die Setzung des Schwerpunktes des Platzes können die Wegebeziehungen ebenfalls geordnet werden. Das in der Lübberstraße begonnene Leitsystem wird über den Platz geführt.
3. Schwerpunkt setzen
Der Neustädter Brunnen bildet den gestalterischen Schwerpunkt des eigentlichen Platzes. Er wird von der Johanniskirche weiter in Richtung der Hauptwegebeziehungen gerückt; seine Wahrnehmung im Stadtraum somit erhöht. Gleichzeitig erhält er wieder Wasser; ruhiges Wasser, als Reminiszenz an seine ursprüngliche Funktion als Schöpfbrunnen. Eingebaute Unterwasser-Scheinwerfer projizieren bei Dunkelheit leichte Wasserbewegungen an den Brunnen. Zur Verbesserung der Nutzbarkeit erhält er einen neuen, 50 cm hohen Sockel aus Sandstein, der auch für kurzzeitigen Aufenthalt in „Besitz“ genommen werden kann. Dieser ist zudem so dimensioniert, dass er weiterhin bei Veranstaltungen umbaut werden kann.
4. Aufenthaltsqualität erhöhen
Durch die deutliche Trennung zwischen der eher ruhigeren Mitte, auf der auch Bereiche für Außengastronomie geschaffen werden können, und den geschäftigeren Randbereichen können Konflikte reduziert werden. Neben den konsumpflichtigen Angeboten werden mit dem Brunnenrand, wie auch mehrerer Bänke an West- wie auch Ostseite zahlreiche öffentliche Aufenthaltsmöglichkeiten mit Blick auf die Kirche, die historischen Gebäudefassaden und das Stadtleben geschaffen.
Kirchengrundstück - Das Grundstück der Johanniskirche wird aufgeräumt. Als Sichtbarrieren wirkende Sträucher entfernt. Ziel ist die Schaffung eines offenen, rasen- und großbaumbetonten Freiraums. Um die markante Eiche vor dem Westportal wird eine Rundbank gestellt; sie wird so zentraler Ort/ Treffpunkt auf dem Grundstück. Zum räumlichen Schluss des Grundstücks wird die Baumreihe in der Hämelinger Straße in Anlehnung an die historische Gestaltung ergänzt, und in Richtung Platz erweitert. An den Grenzen zum Neuen Markt, bzw. der Hämelinger Straße wird das Kirchengrundstück mittels Natursteinpflaster aus Sandstein mit Rasenfuge befestigt. Diese Befestigung ist pflegeextensiv, lässt aber Nutzungen im Rahmen des Hoeker-Festes weiterhin zu. In Zugangsbereichen des Haupteingangs und der Nebeneingänge wird jedoch im Sinne der Barrierefreiheit auf die Ausbildung einer Rasenfuge verzichtet und ein gesägter, bzw. geschliffener Stein eingesetzt.
Hämelinger Straße - Die Hämelinger Straße wird – auch aufgrund der wichtigen fußläufigen Verbindung zur Stadtbibliothek – als höhengleich ausgebildeter, und mit einem Betonsteinpflaster ähnlich des Platz-Passepartouts befestigter Fußgängerbereich gestaltet.
Beleuchtung - Die Beleuchtung des Platzes wie auch bedeutender Fassaden erfolgt über Lichtstelen. Die Beleuchtung des Brunnens über Unterwasserscheinwerfer.
Mobiliar - Das Mobiliar nimmt sich gestalterisch zurück. Die Bänke werden reversibel eingebaut, so dass bei Stadtfesten eine möglichst große Flexibilität der Nutzungen gegeben ist. Für diese Nutzungen werden unterirdische Versorgungsmöglichkeiten vorgesehen.
Materialitäten - Während das Pflastermaterial des Passepartouts identisch mit dem der Lübberstraße ist, schlagen wir für die Platzfläche einen Belag aus gesägten und geflammten Weserhartsandstein-Großformatplatten vor. Dieser definiert durch seinen Kontrast in Material, Farbe und Format den zentralen Platz, bzw. analog zur Fußgängerzone, den Aufenthaltsbereich sehr deutlich, ist leicht und sicher zu begehen, sowie im Fall von Veranstaltungen auch mit größeren Fahrzeugen problemlos zu befahren. Der Plattenbelag wird in einem 60 cm breiten Reihenverband mit variablen Längen gelegt.
Entwässerung
- Die zentrale Platzfläche wird mit einem durchgehenden Gefälle von min. 0,5% in Richtung Westen verlegt und mittels eines Dachgefälles entwässert. Auf den Einbau von kosten- und pflegeintensiven Rinnenelementen kann somit verzichtet werden.
Barrierefreiheit - Das in der Lübberstraße gebaute Leitsystem wird über den Platz geführt. Durch die allseits flächenbündigen Pflasteranschlüsse werden Stolperfallen vermieden