Inhalt

Herford als Garnisonsstadt

Die Hansestadt Herford blickt auf eine lange militärische Geschichte zurück.

Bereits im 18. Jahrhundert waren Truppenteile des Altpreußischen Infante-rieregiments in Herford stationiert. Im Ersten Weltkrieg wurde Herford an- erkannte Garnisonstadt. 1914 wurde das Infanterie-Regiment „Graf Bar- fuß“ (4. Westfälisches) Nr. 17 in der Hansestadt stationiert. Mit der Demo- bilisierung des 1. Westfälischen Feldartillerie-Regiments Nr. 7 nach Kriegs- ende verlor Herford 1918 gleichzeitig vorerst wieder seinen Status als Garnisonsstadt.

Kasernenbauten in Herford 1934-37

Auf Geheiß des Oberbürgermeisters der Stadt Herford, Friedrich Kleim, be- gann im Oktober 1934 der Bau von zwei der drei heute noch bestehenden Kasernenanlagen. Hierfür waren schwierige Verhandlungen notwendig und das unentgeltliche Zurverfügungstellen von Ländereien an das Wehrkreis-verwaltungsamt.
Der Oberbürgermeister versprach sich von der Reaktivierung Herfords als Garnisonstadt einen wirtschaftlichen Vorteil für die Stadt und ihre Bürger-schaft.

Im Oktober 1935 zogen die ersten Soldaten in die neue Estorff-Kaserne (spätere Hammer- smith Barracks) an der Vlothoer Straße sowie an der Saarstraße in die Otto-Weddigen-Kaserne (spätere Harewood Barracks) ein.
1937 folgte die Eröffnung der Stobbe-Kaserne (spätere Wentworth-Kaserne), ebenfalls an der Vlothoer Straße, mit samt der Offiziersmesse an der Liststraße 1.
Seitdem ist die Stadt Herford eng mit ihren Kasernen verbunden.

... weiterlesen...

Namensgeber der Estorff-Kaserne war Generalleutnant Ludwig von Estorff, der als Komman- deur des ehemaligen Infanterie-Regiments 17 während des Ersten Weltkriegs in Herford statio- niert war.

Die Stobbe-Kaserne wurde nach Generalleutnant Otto Stobbe, einem weiteren ehemaligen Kommandeur des Infanterie-Regiments 17, benannt.

Die Kaserne an der Saarstraße wurde nach dem Kapitänleutnant und U-Boot-Kommandant Otto Weddigen benannt. Weddigen wurde 1882 in Herford geboren und starb im Ersten Weltkrieg auf See.

Während an der Saarstraße die Panzer-Abwehrabteilung 6 beheimatet war, waren zu Beginn in dem Doppelstandort auf dem Stiftberg das 1. Bataillon sowie zwei Ergänzungsbattaillone des Infanterie-Regiments 58 der 6. Infanterie-Division untergebracht.

 


Am 03.04.1945 erreichten die Alliierten Herford – als erste die us-amerikanische Armee, da- nach die britischen Streitkräfte. Diese besetzten zuerst Herford und schlugen später hier ihr Hauptquartier auf.

Britische Rheinarmee1lz

Die Briten kamen als Besatzer - und sie gingen als Freunde!

Seit 1945 bis zu ihrem Abzug Ende 2015 waren die Briten Bestandteil der Hansestadt Herford. Sie prägten sowohl das Stadtbild als auch das Miteinander.

Waren die Anfänge sicherlich noch von gegenseitigem Misstrauen geprägt, so entwickelte sich im Laufe der 70 Jahre, in denen die Briten in Herford stationiert waren, eine enge Anbindung an die Stadt sowie zwischenmenschliche Freundschaften.

Da sich die stationierten britischen Soldaten und ihre Angehörigen in Herford sehr wohl fühlten, nannten sie die Hansestadt liebevoll „Happy Herford“.

Garnisonsstadt Herford

Logo 1. (UK) Division © British Forces, 1th (UK) Division
Von Beginn an waren die drei bestehenden Wehrmachtskasernen Garnison von Panzerdivisionen.

Ab 1952 war Herford für die britischen Streitkräften Standort der 11. britischen Panzerdivision. 1994 wurde Herford Hauptquartier der 1st (UK) Armoured Division (1. Britische Panzerdivision). Von hier aus gingen die Befehle an die britischen Einsatztruppen in Deutschland.

Im Rahmen einer Militärparade bekam am 18. Juli 2014 diese Division die höchste Auszeichnung für militärische Einheiten in Deutschland, das schwarz-rot-goldene Fahnenband verliehen.               

... weiterlesen...

Neben der 1. (UK) Panzerdivision war bis zum Abzug der Briten in Herford auch das Fern- melderegiment stationiert.

Im Zuge der Übernahme der vorhandenen militärischen Einrichtungen wurden die drei Wehrmachtskasernen von den Briten umgetauft:

Logo 7. Fernmelderegiment © British Forces, 7th Signal Regiment
  • Harewood Barracks
    Die Otto-Weddigen-Kaserne wurde nach der Übernahme von den Briten in Harewood Barracks umbenannt. Namensgeber war Henry George Charles Lascelle, der 6. Earl of Harewood, der sich im Ersten Weltkrieg als General um die britische Krone verdient ge- macht hatte.
  • Wentworth Barracks
    Als Namensgebers für die Wentworth Barracks stand der 1. Earl of Cleveland, Thomas Wentworth, General im englischen Bürger- krieg.
  • Hammersmith Barracks
    Anders als bei den vorgenannten Kasernen war bei den Hammer- smith Barracks kein britischer Kriegsheld Namensgeber, sondern der Londoner Stadtteil Hammersmith.

 

Maresfield Barracks – Herfords vierte Kaserne

Mitten im Herforder Stadtholz / Waldfrieden bauten die britischen Streitkräfte 1952 eine vierte Kaserne, die Maresfield Barracks. Zum einen wurden dort die in Herford stationierten Panzer gereinigt und gewartet. Zum anderen war dort bis zur Auflösung der Kaserne im Jahr 1994 das „7th Signal Regiment“ (7. Fernmelderegiment) stationiert.

Namensgeber der Kaserne war die Ortschaft Maresfield in der britischen Grafschaft Sussex.

 


Die 1. Britische Panzerdivision wurde am 01.06.2015 von Herford nach York abkommandiert. Ihr folgte in der zweiten Jahreshälfte 2015 das 1th (UK) Signal Regiment, das nun in Stafford stationiert ist.

Die britischen Streitkräfte prägten in den letzten sieben Jahrzehnten die Hansestadt Herford jedoch nicht nur militärisch.

Wohnen und Leben in Herford

Gewohnt haben die britischen Soldaten von 1945 bis ca. 1957 in beschlagnahmten Häusern auf dem Stiftberg rund um den Kasernen-Doppelstandort. Die Häuser wurden nach und nach an die Eigentümer zurückgegeben, nachdem die extra für die Briten erbauten Wohnsiedlungen Mitte der 50er Jahre fertiggestellt waren. Seitdem wohnten sie im Einklang mit den Herforder Einwohnern im Stadtgebiet verteilt.

Auch wenn die Briten gerne in deutsche Geschäfte einkaufen gingen, ihre typisch britischen Waren kauften sie in den NAAFI-Shops.

Viele britische Einheiten waren im Laufen der Jahre in Herford stationiert, die meisten blieben jedoch nicht lange. So hatten in den 60er Jahren die „Royal Horse Guards“ ihren Sitz in Herford auf der Hammersmith-Kaserne. Später übernahm der „Saddle Club“ den Reitstall und bot auch für deutsche Kinder englischen Reitunterricht an.

Musikalisch haben die britischen Streitkräfte Herford ebenfalls geprägt. Unter anderem waren im Jahr 1972 die „Royal Scots Dragoon Guards“ in Herford stationiert, die durch ihre Interpre- tation des Songs „Amazing Grace“ berühmt wurden.
Aber vor allem setzten die Briten mit ihrem „Gallow’s Folk Club“ Zeichen. Der Club befand sich von 1972 bis 1984 auf der Wentworth-Kaserne. Er war Bestandteil der Herforder Musikszene, denn nicht nur britische, sondern auch deutsche Gäste und Interpreten waren in dem Club willkommen.

Ende 1990 zog die Deutschlandzentrale des britischen Soldatensender BFBS auf die Wentworth-Kaserne ein. Bis zum Sommer 2009 ver- sorgte der Sender von Herford aus nicht nur die alliierten Soldaten, sondern auch die Herforder Bürger mit den neuesten musikalischen Trends von der Insel.

 


Für das gute Miteinander sorgten auch die vielen caritativen Veranstaltungen, die von den Briten organisiert und teilweise in deutsch-britischer Zusammenarbeit durchgeführt wurden.

So gab es musikalische Fest, sportliche Wettbewerbe, gemeinsame Gottesdienste bzw. den deutsch-englischen Adventsnachmittag im Gemeindesaal der evangelisch-lutherischen Marien-Kirchengemeinde Stiftberg, den traditionellen Kuchenwettbewerb in der Vorweihnachtszeit und vieles mehr.
Aber auch Hilfe bei städtischen Aktionen, wie die Kürbis-Pyramide aus Herforder-Kästen, die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt, Reinigung alter Gedenksteine zusammen mit der Reservistenkameradschaft Herford etc., gehörte dazu.

Das sind nur einige Beispiele, die die gute Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen den Briten und den Herfordern verdeutlichen. Und es zeigt einmal mehr, dass der Ausspruch “Aus Besatzern wurden Partner und Freunde!“ keine Floskel, sondern gelebte Praxis in Herford war.

Königlicher Besuch in Herford

Die Stationierung der britischen Soldaten in Herford bescherte der Hansestadt mehrfach königlichen Besuch. Insgesamt vier Mal besuchte die britische Prinzessin Anne Herford. Das letzte Mal war 2012, als sie britische Soldaten für ihren Einsatz in Afghanistan ehrte. Bei dieser Gelegenheit trug sie sich auch in das Goldene Buch der Stadt ein.

 

Good-bye "Happy Herford"

Zapfenstreich / Last Farewell

Am 24. April 2015, verabschiedeten sich die britischen Soldaten und ihre Angehörigen offiziell mit einer Parade auf dem Rathausplatz von ihrem "Happy Herford" und den Bewohnern der Hansestadt.
Zuvor machte der Anglo-German-Circle während des Verkaufsoffenen Sonntags am 19. April 2015 bereits Werbung für die Verbundenheit der Briten mit Herford.

Bevor die Rückgabe der Kasernenschlüssel an die Bundesrepublik Deutschland und damit der endgültige Abzug der britischen Rheinarmee aus Herford erfolgte, luden die britischen Streit-kräfte am 22. Mai 2015 ein letztes Mal zu ihrer traditionellen Cocktailparty ins Offizierskasino der Wentworth-Kaserne ein. Das war auch gleichzeitig der letzte offizielle Verabschiedungsakt der Briten von der Hansestadt Herford.

19. April 2015 - Anglo-German-Circle / Herforder Frühlingsfest

Bei sommerlichen Temperaturen fand am 19. April 2015 das Herforder Frühlingsfestes statt. Im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntags wurde es auf dem Alten Markt "very british". Dort präsentierten sich nämlich der Anglo-German-Circle sowie Vertreter der britischen Armee.

Am Stand des Anglo-German-Circles wurden die Besucher mit traditionellen Fish and Chips, Sandwiches, Pimm's u.v.m. überrascht.


Musikalisch wurden sie dabei von der Band of the Corps of the Royal Engineers begleitet.

Bildergalerie Presseartikel

24. April 2015 - Farewell-Parade

TIME TO SAY GOODBYE - Unter diesem Motto verabschiedeten sich am 24. April 2015 die bri- tischen Soldaten des 1st Signal Regiments offiziell mit dem letzten Zapfenstreich vor dem Herforder Rathaus von ihrem "Happy Herford" und der Herforder Bürgerschaft.

Stellvertretend für alle in Herford stationierten Soldaten und ihre Familien-angehörigen wurde eine Ehrenwache vor dem Herforder Rathaus abgehal- ten.

Nach dem Empfang im Rathaus, zu dem der Bürgermeister geladen hatte, fand die Farewell-Militärparade samt der Ansprachen des Divisionskommandeurs Generalmajor Giles Hill und des 1. stellvertretenden Bürgermeisters Ralf Grebe für die Öffentlichkeit zugänglich auf dem Rat- hausplatz statt.

Zum Abschluss und Abschied wurde das 1. Fernmelderegiment der britischen Armee mit dem Fahnenband des Bundesrepublik Deutschland durch Brigadegeneral Peter Gorgels ausgezeich- net.

Presseartikel

Bildergalerie

21. Mai 2015 - Cocktailparty

Die letzte traditionelle Cocktailparty auf Einladung der britischen Armee fand am 21. Mai 2015 im Offizierskasino an der Liststraße statt. Hier hieß es nun endgültig "Good-bye" und "Auf Wiedersehen".

Als Zeichen der Dankbarkeit und Verbundenheit überreichte Colonel Toby Rowland Bürgermeister Tim Kähler das Maskottchen der 1. Division - ein Rhinozeros - in Form einer kleinen Statue.

Den Abschluss bildete der musikalische Beitrag der britischen Militärkapelle "The Band and Bugles of the Riffles", die nicht nur spielerisch, sondern auch durch ihre Choreographie be- geisterten.

Presseartikel


Schlüsselübergabe

In der zweiten Jahreshälfte 2015 wurden die drei Kasernen in Herford sukzessive von den Briten an die Bundesrepublink Deutschland zurückgegeben.

... weiterlesen...

Die Schlüssel der freigewordenden Anlagen wurden an die BImA in Vertre- tung für den Bund zurückgegeben. Bis zur Entscheidung der Hansestadt Herford bzw. der Stadtentwicklungsgesellschaft Herford (SEH mbH), ob sie ihre Erstzugriffsoption in Anspruch nimmt, obliegt der BImA grundsätzlich die Aufsichtspflicht und die Verkehrssicherheit.



Harewood-Kaserne

Am Vormittag des 31.07.2015 wurde die Harewood-Kaserne als erste der drei in Herford bestehenden Kasernen von den britischen Streitkräften an die BImA zurückgegeben. Am Nachmittags des selben Tages ist der Schlüssel und damit gleichzeitig die Verantwortung für das Gelände der ehemaligen Harewood Barracks an die Regierungspräsidentin der Bezirksregierung Detmold, Frau Thomann-Stahl, übergeben worden, um dort ab September 2015 in Verantwortung der Bezirksregierung Detmold eine Notunterkunft zur vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen einrichten zu können. Später folgte auf dem Kasernengelände darüber hinaus auch die Errichtung einer Registrierungsstraße bzw. einer Registrierungseinrichtung. Mittlerweile wird das Gelände als Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Asylbewerber genutzt.

Wurde die erste Kasernenrückgabe noch mit viel Interesse aus der Bevölkerung verfolgt, so erfolgte die Schlüsselübergabe der beiden letzten Kasernenflächen fast unbemerkt:

Hammersmith-Kaserne + Wentworth-Kaserne

Am  08.12.2015 wurden die letzten Schlüssel von den britischen Streitkräften zurückgegeben.
Die Hammersmith-Kaserne war zwischenzeitlich zu eine Notunterkunft umfunktioniert.
Mittlerweile wurde ein Teil des Geländes von der Hansestadt Herford gekauft. Hier entstehen für den "BildungsCampus Herford" aktuell Studentenapartments.
Auf dem Gelände der Wentworth-Kaserne wird der “BildungsCampus Herford“ entwickelt.

Umwandlung1lz

Seit mehr als 80 Jahren gehören die drei, nach dem 2. Weltkrieg von den Briten geführten, ehemaligen Wehrmachtskasernen zum Stadtbild. Die herausfordernde Aufgabe der Stadtver-waltung Herford und ihrer Partner ist nun, die Kasernenareale samt der ehemaligen britischen Wohn- und sonstigen Liegenschaften ökonomisch, ökologisch sowie soziologisch verträglich in die Quartiere zu integrieren.

Diese Umwandlung von einer militärischen in eine zivile Nutzung heißt Konversion.

Das dies in Herford gelingt, hat die Hansestadt schon einmal erfolgreich bewiesen – und zwar in den 90er Jahren bei der Umwandlung der ehemaligen Maresfield-Kaserne im Stadtholz / Waldfrieden zu einem attraktiven Neubaugebiet.