Ausbildung in Berlin 1920 bis 1922
1920 entschließt sich Frieda Nadig, etwas ganz Neues zu machen. Sie bewirbt sich um die Aufnahme in die von Alice Salomon geleitete „Soziale Frauenschule“ in Berlin. Oberstes Ziel der Schule ist es, junge Frauen speziell für soziale Berufe professionell auszubilden.
In diesem Jahr wird die Ausbildung in Deutschland erstmals staatlich anerkannt. Frieda Nadig verlässt die Schule in Berlin als staatlich geprüfte Wohlfahrtspflegerin.
Die Zeit an der „Sozialen Frauenschule“ ist für Frieda Nadig prägend für ihr ganzes Leben. Hier wird eine soziale Ethik gelehrt, die die vorherrschende christlich-religiöse Begründung öffentlicher Moral in Frage stellt. Es wird eine Verantwortung vermittelt, die die Bedürfnisse des Einzelnen in den Mittelpunkt des Handelns stellt.
Die Grundlage für Frieda Nadigs lebenslanges Engagement zu frauenpolitischen Fragen entsteht in dieser Zeit.
Alice Salomon, die Leiterin der Schule, beschäftigt sich auch mit der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit, ein Thema, dass Frieda Nadig später in ihrer politischen Arbeit wieder aufnehmen wird.