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4. Platz DFZ Architekten GmbH

DFZ Architekten GmbH

Wettbewerb zum Neubau einer Dreifachsporthalle Kennzahl 864219 mit Schulanbau und Umnutzung einer denkmal-gerechten Turnhalle in der Stadt Herford

Erläuterungsbericht für den anonymen, begrenzten, architektonischen Realisierungswettbewerb

Städtebauliches und Architektonisches Konzept
Für die Platzierung des notwendigen Bauvolumens der neuen Dreifachsporthalle ist die Nord-Östliche Raumkante des Wettbewerbsgebiets – also die selbe wie die der bestehenden Halle - städtebaulich massgebend.

An dieser Position werden notwendig zu setzende Raumkanten zum Öffentlichen Raum geschaffen.

Die halböffentlichen Räume der Schulanlage profitieren ebenfalls im positiven Sinne von dieser Lage der neuen Sporthalle. Aus diesem Grund schlagen wir vor, in Bauabschnitten bei der einfachen Konstruktion des Neubaues vorzugehen.
Während die Bestandsturnhalle noch genutzt werden kann, wird im 1. Bauabschnitt 50% der neuen Halle gebaut. Eine temporäre Wand im Osten schliesst diesen Bauabschnitt ab.

Nach Fertigstellung des 1. BA kann die alte Turnhalle abgebaut werden, dum anschliessend die neue Sporthalle zu vollenden. Das Volumen der Sporthalle bildet zum öffentlichen ebenso wie zum halböffentlichen Raum die gewünschten raumbildenden Kanten aus, wobei darauf geachtet wurde, dass das entstandene Volumen beidseitig – zum Stadtraum wie auch zum Schulgrundstück hin - je eine weiche und eine harte Kante aufweist.

Alternativ zu diesem Szenario kann auch über eine temporäre Traglufthalle nachgedacht werden, die auf dem jetzigen Sportfeld zwischenzeitlich errichtet werden kann.

Durch den direkt möglichen Anbau an den nördlichen Kopfbau des Ravensberger Gymnasiums werden funktional sinnvoll die zum einen neu benötigten Räume, wie auch der fehlende 2. Treppenraum als notwendige Sanitäranlagen untergebracht. Diese Addition wirkt dabei innerhalb der Bauten Sporthalle, Schulbau und alte Turnhalle „Lübberbruch“ als Scharnier. Der nördliche Abschluss der Schule erhält dadurch eine neue Identität. Dieses additive Bauteil nimmt dabei die Baulinie des zurückspringenden Erdgeschosses sowie der Aussenwand des grossen Treppenraumes auf.

Die unter Denkmalschutz stehende alte Turnhalle "Lübberbruch" wird in das neu entstandene Ensemble mit einbezogen. Da sich hier die Chance bietet, einen feierlichen Raum auch für Veranstaltungen zu erhalten, wird der gesamte Schülerbereich inklusive der Mensa, der Küche und einer Freihandbibliothek hier vorgesehen.

Ein witterungsgeschützter Arkadengang verbindet die drei architektonischen Bausteine des Gymnasiums so, dass ein grosser Marktplatz im Zentrum entsteht. Zudem schliesst sie den südlichen Schulhofbereich auf angenehme Weise, so dass hier ein intimerer Raum herausgebildet wird.

Durch dieses Zusammenspiel von Addition an die Bestandsschule (Rathaus), Platzierung der neuen Sporthalle (Theater), Integration der alten Turnhalle (Gastronomie) sowie der verbindenden Arkade sehen wir ein Raumgebilde, dass an eine kleine Stadt in der Stadt erinnert. Mit einem markanten Platz im Zentrum, der zur Kommunikation einlädt.

Die zukünftige Raumorganisation der Schule
Die Baumasse des Anbaues wird auf das Notwendigste reduziert. Ein im Bestandsbau fehlender 2. Treppenraum als auch fehlende Sanitäranlagen über alle Geschosse bilden dabei den logischen Übergang für die Erweiterung.

Die drei gewünschten Verwaltungsbereiche werden auf selbstverständliche Art und Weise im Erdgeschoss zusammengeführt. Der Raum der alten Mensa dient dem zukünftigen Aufenthaltsbereich der Lehrer, während der Standort des zentralen Verwaltungsbereiches nicht verändert wird; hier werden lediglich nichttragende Wände neu gesetzt und grössere Fensterbänder addiert. Der Arbeitsbereich der Lehrer befindet sich im Anschluss an den Verwaltungsbereich, grösstenteils im Anbau. Zusätzlich dazu entsteht ein neuer Eingangsbereich für die Schüler und Lehrer zum zentralen Platz nach Norden hin. Durch das architektonische Element der Arkade werden zukünftig witterungsgeschützt die Mensa sowie die Sporthalle erschlossen.

Der Bestandsbau wird in den Obergeschossen kostengünstig in seinem bestehenden Raumkonzept verändert:

Die im EG befindliche Schülerbibliothek ist auf dem Galeriegeschoss der Turnhalle „Lübberbruch“ vorgesehen. Diese wird durch einen Klassenraum ersetzt. Im 1. Obergeschoss werden die beiden Informatikräume samt Serverraum in den Anbau untergebracht. Die nunmehr frei gewordene Fläche wird mit 2 weiteren Klassenräumen besetzt; zusätzlich werden 2 weitere Klassenräume hierdurch vergrössert. Dadurch ensteht in Zukunft ein reiner Klassentraktflügel über alle 3 Geschosse im Bestandsbau. Die grossen bestehenden Kunsträume werden in das 2. Geschoss des Anbaues untergebracht.

Dadurch können die restlichen 5 benötigten Klassenräume nebeneinander im 3. OG im Bestand und Anbau angeordnett werden.

Die Dreifachsporthalle
Das direkt an die Arkade anschliessende Foyer mit einer Freitreppe zum Galeriegeschoss bildet den Auftakt der inneren Raumorganisation der Sporthalle. Zwischen dem grosszügig belichteten Strassenschuhgang wie dem Turnschuhgang werden alle notwendigen Umkleiden wie Sanitäranlagen untergebracht. Um das Bauvolumen in Nord-Süd Richtung zu minimieren - aber vor allen Dingen aus städtebaulichen Gesichtspunkten (weiche Raumkante nach Osten hin) - wird im östlichen eingeschossigen Abschluss der gesamte Geräteraum untergebracht. Sollte die Sporthalle in Bauabschnitten errichtet werden wird eine Teilunterkellerung unterhalb des Foyers für die Technik vorgesehen.

Stauräume für Teleskopbühnen bilden den Übergang zur Dreifachsporthalle. Mit der ebenso grosszügig wie öffentlich zugänglichen Fläche des Galeriegeschosses können somit bei Veranstaltungen bis zu 800 Sitzplätze geschaffen werden. Die Turnhalle „Lübberbruch“

Der ehemalig hohe Hallenraum ist geradezu prädestiniert für die Unterbringung der Mensa. Der ehemalige 1- geschossige Geräteraum bildet dabei den Auftakt zu dem einmaligen Raumeindruck. Hier wird ein grosszügig bemessenes Foyer vorgesehen, das bei Veranstaltungen als Bühne dienen könnte. Den Küchenbereich sehen wir im nördlichen Kopfbau, da hier eine Anlieferung von der Strasse aus bestens funktionieren würde. Zusätzlich sehen wir für grosse Veranstaltungen ein Stuhllager vor. Eine Spindeltreppe führt vom Grossraum zu der Galerieebene. Hier wird eine offene Schülerbibliothek sowie die anderen Bereiche des Schülerbereiches vorgesehen.

Materialität der Dreifachturnhalle sowie des Schulanbaues
Die architektonische Kraft der neuen Sporthalle wird durch die wohlproportionierte Dualität von Transparenz (Polycarbonat) und Schwere (ocker eingefärbter Sichtbeton) erreicht. Das Innere der Halle wird somit oberhalb der Prallwand viel Licht erhalten. Zu den verschiedenen Tageszeiten verändert sich die äussere, visuelle Wahrnehmung des transluzenten Materiales: Am Tage milchig opak, in der Dämmerung und abends ein diffuser Leuchtkörper, der weithin sichtbar ist.

Der Anbau der Schule wird wie die westliche Eingangsfassade im Erdgeschossbereich bzw. Bereich der Aussenwand des grossen Treppenraumes ockerfarben verputzt, um ein Ganzes von Bestand und Anbau zu erhalten.

Beschreibung der Konstruktionen
Der viergeschossige Schulanbau wird Massiv in Stahlbetonbauweise ausgebildet. Die Gebäudeaussteifung erfolgt horizontal über die Geschossdeckenscheiben und vertikal über die bestehenden Treppenhäuser und Außenwände.

Die Sporthalle wird ebenso wirtschaftlich aus tragenden Stahlbetonkonstruktionen Trapezblechbedachung hergestellt.

Der Einsatz von elementierten Betonteilen z.B. Stahlbetonhalbfertigteilen ist zum Erreichen einer wirtschaftlichen Bauweise möglich

Energetisches Konzept
An die gebäudetechnische Ausstattung des Neu- und Anbaus sind neben den gesetzlichen Anforderungen, resultierend aus der EnEV bzw. dem Erneuerbaren Energie Wärmegesetz (EEWärmeG) hohe ökologische und ökonomische Anforderungen zu stellen. Zudem muß der Nutzung der Mensa und Pausenhalle unter den Gesichtspunkten einer Versammlungsstätte Rechnung getragen werden. Die Grundstruktur des Gebäudes erlaubt in den aussen liegenden Flächen die klassische Fensterlüftung. Für die Klassenräume ist dennoch eine mechanische Lüftung mit Fassadenlüftungsgeräten zu empfehlen.

Die Sporthalle und die Mensa können prinzipiell mit einer freien Lüftung (Lüftungsflügel und komb. RWA-Abströmklappen) betrieben werden. Dieses führt jedoch in der kalten Jahreszeit zu einem erheblichen Wärmebedarf. Es wird daher auch in diesen Bereich eine Lüftungsanlage mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung empfohlen.

Da Mensa und Sporthalle auch für Veranstaltungen mit mehr als 199 Personen genutzt werden sollen, wird diese Lüftungsanlage aufgrund der Versammlungsstättenverordnung sowieso erforderlich. Die Größe der Lüftungsanlage ist auf Basis der angestrebten Personenzahl ausgelegt und kann der Personenbelegung entsprechend geregelt werden.

Eine Kühlung der Zuluft wird derzeit nicht vorgesehen, da dies gem. EnEV bzw. DIN nur mit passiver Kühlenergie zulässig wäre und die Investitionskosten erheblich erhöhen würde. Sollte eine Kühlung gewünscht werden, kann das Lüftungsgerät mit einer adiabaten Fortluftkühlung ausgestattet werden, sodass die Zuluft im Sommer deutlich unter der Außentemperatur eingeblasen werden kann. Der Sporthallenbereich wird über RWA-Dachkuppeln entraucht, da eine mechanische Entrauchung eine Sicherheitsstromversorgung - und damit verbundene höhere Investionskosten -, sowie regelmäßige Tests und PVO-Prüfungen nach sich ziehen würde.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
Die Auswahl von dauerhaften Materialien dient der Nachhaltigkeit und den damit zusammenhängenden positiven Einflüssen auf langfristige Unterhaltungskosten. Entsprechend den vorgegebenen Inhalten werden angemessene konstruktive und haustechnische Systeme ausgewählt, die einer positiven wirtschaftlichen Bilanz Rechnung tragen.

Der Einsatz von elementierten Betonteilen, z.B. Stahlbetonhalbfertigteilen, ist zum Erreichen einer wirtschaftlichen Bauweise möglich. Im Planungsprozess wird eine Optimierung – z.B. über eine Simulationssoftware im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung - zwischen Gebäudehülle und Anlagentechnik angestrebt, die sowohl die Investitionskosten wie auch die späteren Betriebskosten berücksichtigt. Aufgrund der sehr guten Wärmedämmung und der luftdichten Gebäudehülle ist der Wärmebedarf der Gebäude sehr gering. Die Grundstruktur der Gebäude erlaubt in den außenliegenden Flächen die klassische Fensterlüftung.

Brandschutz
Der effiziente Gebäudezuschnitt ermöglicht es, die Entfluchtung für die gesamte Baumassnahme über Fluchttüren bzw. bestehende Fluchttreppenhäuser zu realisieren. Im Erdgeschoss ist zusätzlich ein von der Pausenhalle unabhängiger Notausgang vorgesehen. Das räumliche Konzept ist so konzipiert, dass die zulässige Rettungsweglänge von 35m bis zu den äußeren Treppenräumen eingehalten wird. Die Brandabschnitte sind entsprechend vorgesehen.

Wirtschaftlichkeit
Das vorliegende Konzept ist im vorgegebenen Kosten- und Terminrahmen zu realisieren. Die Auswahl von dauerhaften Materialien dient der Nachhaltigkeit und den damit zusammenhängenden positiven Einflüssen auf langfristige Unterhaltungskosten. Entsprechend den vorgegebenen Inhalten werden angemessene konstruktive und haustechnische Systeme ausgewählt, die einer positiven wirtschaftlichen Bilanz Rechnung tragen.