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3. Platz: bbz Landschaftsarchitekten Berlin

Realisierungswettbewerb Neuer Markt Herford

Erläuterungsbericht

Konzeption - Städtebauliche Einbindung

Ziel des Konzeptes ist es den Neuen Markt einerseits in das Stadtgefüge gestalterisch einzubinden und andererseits als besonderen Ort innerhalb dessen hervorzuheben und zu präsentieren. Der Neue Markt mit seinen historisch wichtigen Gebäuden und der Kirche St. Johannis wird als identitätsstiftendes Zentrum qualifiziert und entsprechend seiner Funktion als Treffpunkt, Veranstaltungsort, Einzelhandel- und Dienstleistungsstandort aufgewertet.
Das Gebäudeensemble mit seinen historischen Fachwerk- und Giebelhäusern und der St. Johanniskirche wird durch die
Auswahl der Oberflächenbeläge und Ausstattungsgegenstände besonders betont und an die Fußgängerzonen Höckerstraße und Lübberstraße angebunden. Die Gestaltsprache und Freiraumgestaltung wird den Bedürfnissen der heutigen Zeit gerecht und erzeugt ein freundliches, lebendiges, mit einer großen Atmosphäre und Aufenthaltsqualität versehenes Zentrum in der Altstadt.
Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die funktionale und bautechnisch hochwertige Umsetzung bereits in der räumlichen Disposition der Gesamtgestaltung und der Materialwahl für die Straßen- und Platzbereiche gelegt.

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Neuer Markt
Der Neue Markt wir über die Weiterführung des Granitgroßpflasters aus der bereits umgebauten Lübberstraße, als Bindeglied in die Fußgängerzone mit Höckerstraße und Lübberstraße integriert. Es entsteht ein durchgängiger und großzügiger Stadtboden der die Straßenräume und den Platz zu einer Einheit formt. Durch diese Maßnahme und den Ausschluss des motorisierten Verkehrs entsteht ein
belebter Stadtplatz mit hoher Aufenthalts- und Nutzungsqualität für alle Bürger und Gäste. Östlich im Bereich der Fußgängerzonen weitet sich der Stadtraum des Neuen Marktes mit einem großzügigen Baum- und Staudenband als Verweil- und Aufenthaltszone auf. An die Kirche St. Johannis schließt der Neue Markt westlich niveaugleich und steinern an. Eine Platzintarsie aus dem selben Belagsmaterial in einer anderen Belagsgröße bildet und betont den Neuen Markt. Dabei greift die Platzintarsie des Neuen Marktes die Grenze des Kirchengrundstückes auf. Die Kirche St. Johannis wird im Norden, Süden und Osten durch den Kirchhof vegetativ gefasst. Neue Wege und breite Zugänge betonen die Eingangssituationen zum Kirchhof.

Die Platzmitte des Neuen Marktes wird über eine Platzintarsie definiert. Der Belag aus Granitplatten von 50x30 Zentimeter hebt sich subtil vom umliegenden Granitgroßpflasterbelag ab und definiert so den Platzraum des Neuen Marktes. Dabei bildet die westliche Kante der Intarsie die Grundstücksgrenze zum Kirchengrundstück ab. Zwei Bankelemente bieten Aufenthalt auf der Platzfläche und stärken den nördlichen und südlichen Abschluss der Platzintarsie. Sie ermöglichen das beidseitige Sitzen, ohne die bestehende Außengastronomie zu beeinträchtigen.
Der Neustädter Brunnen wird in seiner Lage leicht verschoben, saniert und ertüchtigt. Er betont künftig die südwestliche Platzecke des Neuen Marktes und ist im Stadtraum so präsenter und aus den ankommenden Straßen früher wahrnehmbar.
Die Lage des Brunnens vereinfacht zudem die Beschickung an Markttagen und schafft eine größere zusammenhängende Platzfläche für Feste und Veranstaltungen, wie das alljährliche Höckerfest und das Weihnachtslicht. Im Platzraum gut situierte Medienschächte sorgen für die nötige Infrastruktur für die Versorgung mit Medien bei Veranstaltungen und dem Markt.
Der Neue Markt erhält an der östlichen Platzkante ein mit Catalpa speciosa bestandenes Staudenband, was die Besonderheit des Platzes betont, Verweilqualitäten erzeugt und Aufenthaltsorte schafft. Beidseitig des Bandes angeordnete Bänke laden zum Verweilen ein.
Querverbindungen sorgen für eine hohe Durchlässigkeit zu den Gebäuden der östlichen Platzkante.
Hier befinden sich in einer dezentralen Verteilung 8 Fahrradstellplätze.
Am Ende der Fußgängerzone weitet sich der Platzraum des Neuen Marktes großzügig auf. In den Aufweitungen der Gehbereiche nimmt mittig eine Entwässerungsrinne als Muldenstein aus Granit den Bezug zur Höckerstraße und Lübberstraße auf. Parallel dazu wird östlich das taktile Leitsystem in den Bodenbelag gefräst und aus der Lübberstraße weitergeführt. Zudem erhält das Leitsystem einen
Abzweig in Richtung Hämelinger Straße und bindet den Eingang der Kirche an.
Kirchhof
In Richtung Hämelinger Straße wird der Stadtboden bis zum Ende des Kirchhofs weitergeführt.
Die Grenze zwischen den Grundstücken wird über eine Heckenpflanzung subtil ablesbar. Vorgelagert zum Heckenkörper sorgt ein weiteres Staudenband für einen vegetativen und atmosphärischen Aspekt. Auch hier sorgen Bänke unter den bestehenden Bäumen für ruhige Aufenthaltsbereiche. Das Pflaster des Stadtbodens wird in angemessener Breite um die Kirche herumgeführt. Der Kirchhof
bildet mit seinen parkartigen Bestandsbäumen das grüne Pendant zum überwiegend steinernen Neuen Markt und einen vegetativen Rückzugs- und Verweilraum im steinernen Stadtgefüge. Ein Bankelement am östlichen Kircheneingang schafft weitere Aufenthaltsmöglichkeiten innerhalb des Kirchhofes.
Lichtkonzept
Die Leuchten werden asymmetrisch, ohne Blendwirkung für die Fassaden näher an den Platzkanten installiert. Somit bleibt im Straßenraum ausreichend Platz für Fußgänger, Veranstaltungen und Gastronomie. Eine besondere Inszenierung bekommen die wichtigen Gebäude am Platz. Vorallem die Kirche St. Johannis erhält eine dezente Fassadenbeleuchtung um aus dem Stadtraum zu
strahlen. Die bedeutsamen Buntglasfenster der Kirche werden durch eine Hinterleuchtung aus dem Kircheninnern wahrnehmbar. Tagsüber Sitzelement, oder Brunnen, werden die Elemente auf der Platzfläche nachts zu Leuchtobjekten. In den Schattenfugen verborgene Leuchtmittel bringen die Objekte selber zum Leuchten, so bleibt die Aufenthaltsqualität auch in lauen Sommernächten
gewährleistet. Die Beleuchtung der zentralen Bankelemente, und der historischen Brunnenanlage haben Signalwirkung im Platzraum und markieren die Objekte aus einer gewissen Entfernung.
Wirtschaftlichkeit
Die robuste und einfache Grundstruktur erlaubt es, mit minimalen Mitteln eine hochwertige Neugestaltung des Neuen Marktes in Herford herzustellen. Eine große Aufenthaltsqualität wird geschaffen und gleichzeitig die Übersichtlichkeit und Bewegungsfreiheit erhöht. Wenige hochwertige Details und eine hochwertige Materialverwendung geben dem Ort eine angemessene Noblesse und werten ihn zum zentralen Stadtraum der Neustadt von Herford auf. Dabei wird auf zeitlose, nachhaltige und robuste Materialien wie Granit und eine klassische Formensprache gesetzt. Der Neue Markt mit den Anschlüssen an die angrenzenden Straßenräume besticht durch seine schlichte, zeitlose Eleganz in dem ihm umgebenden lebendigen Stadtraum.
Die Belagsflächen werden in einer Belastungsklasse Bk 10 gewählt um der starken Belastung durch Schwerlastfahrzeuge standzuhalten. Die Materialwahl Granit und der starke Oberbau reflektieren technisch die hohen gestalterischen und funktionalen Ansprüche sowie die große Nutzungsintensität durch Liefer- und Schwerverkehr bei Veranstaltungen.